Art Deco Style

Art Deco Möbel mit Stil


 Hauptsächlich bei der Möbelherstellung kennt man den Art Deco Style im Kunsthandwerk.
Die kunsthandwerklichen Objekte dieser Richtung in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zeigen das Lebensgefühl der Menschen in den „Roaring Twenties“. Es war eine Zeit zwischen zwei Weltkriegen. Bei ersterem war man froh, dass er vorbei war und wollte die schlimmen Erinnerung verdrängen, und vom zweiten ahnten vielen, dass noch etwas nachkommen würde. Wichtig und angesehen waren Filmstars mit Bubiköpfen, Künstler, Theater und Literaten, ein Mann wie Charles Lindbergh überflog den Ozean, es gab schnelle neue Züge, sogenannte D-Züge, und der Schiffsverkehr nahm immer größere Ausmaße an. Man saß, wenn man das nötige Kleingeld hatte, selbst am Steuer und die erste Automobilausstellung fand in Berlin statt.
In dieser Umgebung entstand ein Markt für Luxus, für kühle Farbe, diskrete Formen, elegante Konturen und harten Glanz. Man versuchte sich an neuen Konventionen, sexuelle Freiheit begann ein Thema zu werden(Marlene Dietrich, Gertrude Stein), es gab Jean Cocteau, einen Anführer der Homosexuellen und Isadora Duncan, eine Erneuerin des Tanzes, es entstand das Modemagazin „Vogue“ und „Harpers Bazar“. Zwar ist Art Deco ein Begriff für eine Stilrichtung der Kunst, doch er charakterisiert auch das Lebensgefühl dieser Zeit.
Art Deco florierte etwa zwischen 1910 und 1940, begann in Paris und „endete“ stilvoll in Amerika. Herausstechende Merkmale waren die Verwendung neuer Materialien wie Ebenholz als Furnier oder Elfenbein als Intarsie, stark gelackte Möbel, um China zu imitieren, und auf Hochglanz poliert, ägyptische Stilelemente wurden verwendet, ebenso wie bizarre Leuchten, auchder schlichte Stahlrohrstuhl wurde kreiert.
Das traditionelle Handwerk und die Industriedesigner wurde durch den Einsatz neuer Techniken zusammengebracht. Im Prinzip handelt es sich bei Art Deco um die erste moderne Innenarchitektur oder Inneneinrichtung. Es wurde zu einer Hochzeit der Kunsttischler und Interieurdesigner. Als einer der berühmtesten Art-Deco-Stilisten gilt der aus dem Elsaß stammende Jacques Ruhlmann, sein Möbeldesign ist legendär. Er war Perfektionist, seine Objekte brauchten schon mal 1200 Arbeitsstunden. Seine Kennzeichen waren scharfe Kanten, geschweifte Formen und den Tick, Möbel auf spitze Füße zu stellen. Unterstrichen wurden Formen durch zarte, aber präzise Linien aus Elfenbein, hellen Edelhölzern und den Knochenplatten des Rochens. Typische Ruhlmann-Kommoden sind leicht bauchig, nahezu ohne Schmuck und auf die Wirkung des Holzes bedacht. Wurzelholz und Vogelahorn hatten Hochkonjunktur. Ruhlmann war auch einer der ersten, der Stahlmöbel entwarf.
Eine der bekanntesten Art-Deco Designerin war die Irin Eileen Gray. Ihr Hang zur Kultur der Chinesen, Azteken und Ägypter zeigten sich in den farbenprächtigen Lackierungen(grün) ihrer Möbel.
Ein weiteres ungewöhnliches Möbelmaterial war Glas, manche ließen sich ganze Einrichtungen in Glas herstellen. Auch der Möbel-Lack war wichtig im Art Deco, einer der hervorragendsten Vertreter dieses Materials war Jean Dunand. Er kombinierte korallenroten Lack, eingelegt mit Intarisien aus Eierschalen auf Paravents.
In den 30iger Jahren des vorigen Jhd. erreichte Art Deco immer großere Dimensionen, es sprengte fast den Rahmen, das Empire State Building ist hier für ein gutes Beispiel. Auch ganze Ozeandampfer wurden ausgestattet, z.Bsp. das Luxusschiff „Normandie“. Der Glaskünstler Rene Lalique erschuf dafür z.Bsp. einen Tisch mit Opalglasplatte, der Sockel und die Stützen waren aus geätzten Pressglas mit einem verschraubten Chromstahlgerippe verbunden. Zum Werkstoff Glas gab es als Kontrast oft die Art Deco Spezialität Lackarbeit. Diese war auch bei der Schiffsausstattung im Überfluss vertreten. Riesige Tore und Türen wurden mit Goldlack überzogen. Leider wurde das Schiff nach ca. 120 Fahrten stillgelegt und brannte im Hafen liegend aus und sank.
Die Wiener Werkstätten wiederum zeigten auf der Pariser Ausstellung Ihre ganz anders geartete Arbeiten mit lancettenartigen Blattmotiven eingelegt und designte Möbel. 1921 eröffneten die Werkstätten ein Geschäft auf der Fifth Avenue. Die Möbel waren ein Zusammenspiel des luxuriösen französischen Stiles, soliden Möbeln und phantasievoller Ornamentik. Leider hatte das Konzept keinen wirtschaftlichen Erfolg und mußte ein paar Jahre später wieder schließen. Durch seinen Einfluss wurde der Inhaber jedoch zur Zeit der Depression zum Vater des amerikanischen Art Deco. Dieser Stil ist auch heute noch allgegenwärtig in den USA, vor allem in der Architektur.
In Deutschland war Art Deco nicht das ganz große Thema, allerdings wurden die Entwürfe des Bauhauses auch von dieser Stilrichtung beeinflusst.