Die Schriftkunst im Kunstgewerbe
In der heutigen Zeit gehören Computer und andere High-Tech Gerätschaften auch zum Werkzeug jedes Kunstgewerblers oder Kunsthandwerkers. Es verwundert deshalb, dass Schrift oder Kalligraphie für viele Berufe doch noch von großer Bedeutung ist. Unentbehrlich ist sie jedoch in erster Linie für Lithographen, Maler, Bildhauer, Schildermaler oder Kunstschlosser. Leider wird der Lehre und der Übung der Schrift(Kalligraphie)im allgemeinen kaum noch Bedeutung beigemessen, es ist irgendwie zum Hobby verkommen. Doch wir sind nach wie vor fasziniert, wenn eine Tafel, ein geschmiedetes Gitter oder auch nur eine handgeschöpfte Karte mit einer wunderbaren Schrift vor uns liegt. Ob es sich um eine Vorlage, die später in Holz, Stein oder Metall umgesetzt werden soll, oder um eine Ausführung auf Papier handelt, das Werkzeug ist immer dasselbe. Man braucht einen Federhalter, passende Federn, die geeignete Tinte und vor allem nicht zu vernachlässigen, gutes Papier. Die Federn kann man in Scheibenspitzfedern und in Winkelspitzfeder einteilen, bei ersteren befindet sich dort, wo man die Spitze vermutet, eine kleine runde Scheibe und sie ist relativ leicht zu handhaben. Es gibt ca. neun Strichstärken, von 1/1 bis zu 5mm. Die Strichstärke ist im Gegensatz zur Winkelspitzfeder immer gleichbleibend breit, auch wenn man beim Schreiben sozusagen „in die Kurve“ geht.
Mit der Winkelspitzfeder, früher auch Atofeder genannt, erfordert das Schreiben schon sehr viel mehr Übung. Bei der Atofeder handelt es sich eigentlich um zwei Federn, die eigentliche Feder und eine Über- oder Oberfeder. Experten tauchen die Feder nicht direkt in die Tusche, sondern lassen einen Tropfen mittels einer Hilfe, einer Füllzunge, zwischen die beiden Feder fallen. Die Federhaltung ist bei einer im 45 Grad Winkel gekippten Schreibplatte waagrecht. Die Schrift wird breit, mit parallel zur Zeile gehaltener Feder ausgeführt, oder schmäler mit einer im Winkel von 45Grad zur Zeile gehaltenen Feder ausgeführt. „Geht man hier in die Kurve“, verschmälert sich konsequenterweise die Strichstärke zuerst, bevor sie wieder in die Breite geht.
Bei Tinten und Tuschen gibt es heutzutage eine Vielzahl von Möglichkeiten, früher wurde fast nur relativ dünnflüssige Tinte oder selbsthergestellte Tinte, z.Bsp. aus Walnuss oder Heidelbeeren gekochte Tinte verwendet.
Beim Papier wird auf gut geleimtes Papier geachtet, sehr saugfähige Papiere verlangen schon große Könnerschaft beim Kalligraphen.
So zu schreiben, dass ein einheitliches Bild entsteht, ist äußerst wichtig bei der Kalligraphie. Man achtet sorgfältig darauf, dass der Flächeninhalt der Buchstabenzwischenräume immer gleich ist. Es dürfen keine“Löcher“ entstehen. Laien erkennt man fast immer an dem ein oder anderen Loch oder an der leicht varierenden Schriftstärke bei der Winkelfeder, wenn die Feder nicht immer im gleichen Winkel gehalten wird. Äußerst wichtig für die Schriftkunst ist dies bei allen Antiquaformen(schon um 1500 entstanden die ersten Arten).