Kunst aus Papier - eine Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten
Viele Künstler haben sich bereits mit dem Werkstoff Papier beschäftigt, aber auch immer mehr Kunsthandwerker nehmen sich diesem Material an. Der Vorteil liegt darin, dass man auch auf kleinstem Raum schon mit Papier arbeiten kann und keine grosse Werkstatt benötigt. Vor allem am Anfang einer Kunstgewerbetätigkeit ist eine Werkstatt noch nicht gleich nötig. Übt man das Kunstgewerbe aber hauptberuflich aus, ist eine Werkstatt natürlich Pflicht und unumgänglich.
Papierkunst ist ein weit gefasster Begriff und Jeder versteht darunter auch etwas anderes. Viele Kunsthandwerker arbeiten mittlerweile sehr filigran und fein mit Papier. Dies ist nur möglich indem man das Papier in seine feinsten Bestandteile zerlegt. Dabei wird unterschiedlichstes Papier in Wasser aufgelöst und mit einem Mixer fein verrührt. Dieser Papierbrei bildet dann die Basis für viele unterschiedliche Verarbeitungstechniken. Bei der Herstellung des Papierbreies muss man zu Anfang etwas experimentieren um das richtige Verhältnis zwischen Papier und Wasser zu bekommen.
Der Brei eignet sich zum Modellieren, aber auch zum Papierschöpfen selbst. Dabei wird der dünnflüssige Brei im Wasser gut vermischt und mit einem Sieb in vielen Arbeitsschritten aufgefangen. Man bewegt dabei das Sieb nur in einer Richtung immer wieder durch die Papierlösung hindurch. Dann lässt man das Sieb kurz abtropfen um gleich wieder das Sieb durch den Papierbrei zu ziehen. So entsteht eine neue Papierschicht auf einer Seite des Siebes. Das neue Blatt Papier ist aber noch sehr frisch und muss vorsichtig zum Trocknen vom Sieb abgeklopft werden.
Mit den so entstandenen neuen , handgeschöpften Blättern kann man viele Kunstwerke herstellen. Kleine Papierschachteln, Umschläge für Alben und Fotobücher, Visitenkarten und vieles mehr.
Den Papierbrei können Sie aber auch einfärben und gewinnen so eine ganz andere Wirkung beim Betrachter. Der etwas zähflüssiger Brei kann auch mit Kleber vermischt werden und dann als eine Art Pappmache benutzt werden. So können auch Figuren hergestellt werden, wie vorher mit Drahtgeflecht grob vormodelliert wurden.
Aus Papier kann man aber noch viel mehr herstellen. So können Sie Blumen, und gar lebensgrosse Figuren aus einzenlen Blättern mit Hilfe eines kleines Gerüstes basteln.
Wie wird Papier hergestellt oder geschöpft ?
Eigentlich ist es, gemessen an anderen Materialien, ja noch gar nicht so lange her, dass die Menschen Papier benutzen können. Man nimmt an, dass es zuerst vor ca.3000 Jahren in China aufgetaucht, bzw. hergestellt wurde. Die erste Erwähnung bezüglich der Herstellung stammt ebenfalls von einem Chinesen, allerdings sehr viel später, nämlich so um 100 n. Christus. Die bekanntesten Vorgänger unseres heutigen Papieres dürfte wohl das allen bekannte Papyrus und Pergament sein. Papyrus gab unserem Papier auch seinen Namen, es bestand aus dem herausgeschabten Mark einer Pflanze und wurde ebenfalls zum ersten Mal etwa 3000 v.Chr. erwähnt. Pergament hingegen besteht aus Tierhaut, die lange bearbeitet werden mußte. Seine Beschaffenheit und Haltbarkeit war sehr viel robuster als Pergament und deshalb wurde es auch bevorzugt genutzt. Bis zum Mittelalter hielt es seine Stellung und wurde erst durch das uns bekannte Papier verdrängt. Zunächst war die Papierherstellung natürlich ein streng gehütetes Geheimnis einiger weniger. Ausgehend von Asien brachten dann die Araber um ca. 1100 das Papier nach Europa. In Spanien wurde die erste Papiermühle gegründet.
Durch Verwendung von tierischen Leimen und anderen Rezepten, sowie der Gestaltung von Wasserzeichen, verbesserten die Italiener die Papierqualität erheblich. In Deutschland entstand etwa 1400 die erste Papiermühle im fränkischen Nürnberg. Hauptsächlich siedelten sich diese Mühlen entlang von Flüssen an. Ende des 17.Jhd. war Papier und seine Herstellung in ganz Europa verbreitet. Technische Neuerungen und Verfeinerungen erlaubten Ende des 18.Jahrhunderts die Nutzung von Holz und Stroh zur Papiergewinnung, statt wie zu Beginn von Lumpen. Einen großen Aufschwung gab es natürlich auch schon vorher durch die Erfindung des Buchdruck . Bei der Herstellung heute werden Maschinen im großen Stil benutzt und das Rohmaterial ist gesammeltes Altpapier und Zellstoff, aus Holz gewonnen.
Das Papierschöpfen
Besonderes Papier ist auch heute noch das handgeschöpfte Papier, man unterscheidet grob Schöpfen mit dem Schöpfrahmen und mit dem Schöpfgitter. Wie beim maschinell bearbeiteten Papier ist auch hier das Grundmaterial Zellstoff oder schon benutztes Papier. Bei Zellstoff wird die Zugabe von Leim und Kaolin nötig. Nachteil der schon benutzten Papiere ist die Farbgebung, für reinweißes Papier ist es also wenig geeignet. Hier wird durch Zugabe von Färbemittel der entstehende Grauton relativiert.
Grundsätzlich wird ein Papierbrei zubereitet und je nach Gestaltung sehr fein gestampft. Ist der enstandene Faserbrei dünn und fein, so gilt dies auch für das entstehende Papier. Je nach dem, wird ein Gitter oder Rahmen beim Schöpfen verwendet. Unter weiterer Zugabe von Wasser wird die gewünschte Konsistenz erreicht und das Papier wird geschöpft., dabei verdichtet und verfilzt sich der angesetzte Faserbrei. Beim sogenannten Abgautschen wird die geschöpfte Schicht mit verschiedenen Werkzeugen ausgepreßt, so dass der aufgebrachte Brei gut entwässert und vor allem glatt wird. Verwendet wird hierbei eine Presse. Dann wird das fertige, aber noch feuchte Papier zum Trocknen aufgehängt oder ausgelegt. Es gibt noch Varianten wie das Einschöpfen, bei dem man dekorative Elemente mit einbringt, Gräser oder Blätter z.Bsp, aber auch Fotos. Bei stark strukturierten Geweben werden auch ganze Objekte „eingeschlossen“.
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