Wie und wo wird Glas hergestellt?
Grundstoffe des Werkstoffes Glas sind Quarzsand, Kalk, und Soda oder Pottasche. Daran hat sich im Laufe der Jahrhunderte bei der Glasherstellung kaum etwas oder wenig geändert. Dazu gab man färbende Materialien wie Metalloxide, und auch entfärbt kann Glas werden, nämlich durch Zugabe von Manganoxid wird das naturgemäß grünliche Glas farblos.
Basis der Glasbearbeitung sind Erhitzen, Schmelzen, Gießen und Formen.
Das Material Glas gilt als ein Material mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, im Kunsthandwerk war es deshalb ein viele Jahrhunderte lang sehr geschätztes und hochangesehenes Kunsthandwerk. Man geizte mit Rezepturen und Herstellungsmethoden wie 5-Sterneköche mit ihren Rezepten.
Man nimmt an, dass im Orient des 2.Jahrtausends vor Christus schon Glas hergestellt und verwendet wurde. Man fand dazu Perlen, flaschenartige Gefässe und andere Behältnisse, wahrscheinlich für Kosmetika und Öle genutzt. Später dann, im Hellenismus, war die Stadt Alexandria ein Zentrum der griechischen Glaskunst. Techniken wie Glasschnitt für Mosaike oder das Millefioriglas(tausend Blumen) wurden hier schon angewandt. Später im römischen Kaiserreich, durch die Erfindung der Glasmacherpfeife wurde der Herstellungsprozeß vereinfacht , nutzte man das früher extrem kostbare Glas schon für Gebrauchsgegenstände wie Tassen. Auch im gesamten arabischen Raum breitete sich die Glaskunst aus. Ab dem 14.Jhd. werden vor allem in deutschen Mittelgebirgen wie dem Spessart, Glashütten gegründet. Das Material Glas wird immer mehr zum Alltagsgut. Berühmtes und weltweit bekanntes Zentrum für Glaskunst war Murano, eine venezianische Insel. Hier wurden zum Großteil Hohlgläser produziert. Ausgelagert wurden die Glashütten aus der Stadt Venedig auf die vorgelagerte Insel Murano wegen der Brandgefahr der ständig brennenden Öfen.
Nördlich der Alpen gelingt es später in Böhmen extrem reines Kreideglas herzustellen, damit wird die Böhmische Glasmachertradition gegründet, die teilweise bis heute besteht. Es kommt auch die Glasschneidekunst in Mode, eine Technik bei der rotierende Rädchen Ornamente und figürliche Darstelllungen ins Glas fräsen. Diese Technik wird bis Ende des 19.Jdh. bevorzugt.
Danach gibt es zwei Richtungen in Glaskunsthandwerk, Arbeiten nach dem Vorbild der Natur und der Hang zum Exotischen. Die Glasherstellung ist mittlerweile geprägt vom Zeitalter der Industrialisierung, so wird immer öfter für das Gebrauchsglas sogenanntes Pressglas verwendet. Erfunden wurde das Verfahren ca. 1800 in den USA und England, es verbreitet sich in den nächsten dreißig Jahren in ganz Europa. Viele Hütten fertigen sowohl hochwertiges Schnitt- und Schliffglas als auch Pressglas. In neuerer Zeit hat auch das Glaskunsthandwerk mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen, es entstehen neue Glasschwerpunkte z.Bsp. in Schweden oder Finnland, die Studioglas-Bewegung tritt auf den Plan. Idee ist das zweckungebunden gestaltete künstlerische Glas.
