Wie entstanden Briefbeschwerer oder Paperweights?
Die ersten Briefbeschwerer oder Paperweights entstanden mit der immer stärker sich verbreiteten Papiernutzung in Europa. Schreiben und vor allem Lesen wurde immer beliebter, wenn auch sehr lange nur für den Adel, die gebildeten Schichten und für bestimmte Berufe. Dann, mit der Entwicklung des Postwesens, fand ein regelmäßiger Austausch von Briefen, Schriften und Dokumenten statt. Briefeschreiben wurde die wichtigste Form der Kommunikation, wenn auch alles Geschriebene noch etwas länger unterwegs war, da man noch mit der Postkutsche fuhr. Das rief die Papier- und Briefbeschwerer auf den Plan. Neben dem Begriff Paperweight wird sehr viel treffender auch „Letterweight“ benutzt. Schnell konnte ein Luftzug der Tür, ein achtloses Vorübergehen die mühsam geordneten Papierstapel ins Wanken und auch zum Einsturz bringen.
Im 18.Jhd nutzte man die ersten Briefbeschwerer. Sie waren meist aus Holz, Steinen, Glas oder Keramik. Etwas ähnliches benutzte man schon sehr viel früher zum Offenhalten von ausgerollten Pergamentdokumenten.
Wenig später fertigten die Glasbläser mit ihren Glasbläserpfeifen schon die ersten Kugeln, die ohne großen Aufwand fast schon im Alleingang aus der Pfeife entstanden. Was lag da näher als bunte Tropfen in das noch zähflüssige Glas zu tropfen oder einzudrücken. Vor etwa 150Jahren lagen im venezianischen Murano in der Glashütte von Petro Bigaglia genügend „Abfallglos“herum, aus denen man dann die wunderschönen Kugeln fertigen konnte.
Waren vorher die Glasstücke mehr oder weniger zufällig durch Zuschlagstoffe verunreinigt worden und hatten Farbeffekte hinterlassen, so wurde nun von den Glasbläsern gezielt mit Farbeinschlüssen experimentiert. 1840 gab es dann in allen Glashütten farbiges Glas, die Chemie hielt noch dazu auch Einzug in die alten traditionellen Glasherstellungsmethoden. So wurden immer öfter Metallsalze, Metalloxide und andere Chemikalien eingesetzt. Wie oben bereits erwähnt war die Glashütte von Petro Bigaglia federführend bei der Herstellung von Glaskugeln als Briefbeschwerern. 1845 zeigte Bigaglia sie auf der Wiener Industrieausstellung und erweckte damit höchstes Interesse. Das sogenannte Millefioreglas(ital. 1000 Blumen) wurde zum Hauptmotiv der Paperweights. Wichtigste Produktionstätten der Kugeln waren Böhmen und Schlesien, vor allem im heutigen Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Dann natürlich die beiden königlichen französischen Kristallerien von Baccarat und Saint-Louis, sowie Clichy(Vorort von Paris) und die Kristallerie Whitefriars in London.
Interessanterweise blieb die Produktion der Kugel immer relativ gering, so richtig konnte das Schmuckstück sich anscheinend nicht durchsetzten. Laut Unterlagen fertigten die drei wichtigsten Kristallerien Baccarat, Clichy und Saint-Louis nur etwa 25000Stück, manche behaupten, es seien noch weniger. Auch in Murano wurde nachweisbar wenig produziert.
Viele behaupten der allgemeine Ansehensverlust der handwerklichen und klünstlerisch gestalteten Glaskunst sei schuld, doch wahrscheinlich war auch die übergroße Armut und die Kriegstreiberei in Europa zu dieser Zeit schuld. Entdeckt und wieder bewundert wurden die Paperweight erst wieder ab Mitte des 20.Jhd.
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