Goldschmiedekunst und seine Hintergründe

Goldschmieden und seine Vielfältigkeiten



 
Geschichte und Werdegang des Goldschmiedens ist eng verknüpft mit gesellschaftspolitischen Ereignissen, mit dem Stellenwert von Künstlern und Ateliers und mit Veränderungen bei Herstellungsprozessen und der Materialbehandlung. Goldschmiedekunst bezeichnet zu allererst das Herstellen von Schmuck und Ziergegenstände. Schon aus der Steinzeit ist sehr einfacher Schmuck aus Elfenbein oder Bernstein überliefert. Und seit dem 6.Jahrtausend v. Chr. wird Edelmetall zur Fertigung genutzt. Bereits tausend Jahre später war die Schmiedetechnik sehr gut entwickelt. In der Zeit der Griechen war der Ursprung der traditionellen, abendländischen Schmuckherstellung . Heutige Schmuckarten wie Ring, Armreif oder Ohrgehänge gab es schon, Gold war das Hauptmaterial, Edelsteine wurden nur zu einem sehr kleinen Teil verwendet. Einer der bedeutendsten Funde aus dieser Zeit ist der „Schatz des Priamos“. Neben Gießen und Löten wurde hauptsächlich die Kunst des Zisilierens genutzt.
Bei den Römern später gab es nur sehr einfachen Schmuck, Gold durften sowieso nur Wohlhabende tragen.
Von der Völkerwanderung etwa ab dem 4. bis zum 7.Jhd. war die Goldschmiedekunst nur eine Randerscheinung.
Zur Zeit Karls des Großen, der Bildung und Kunst aufgeschlossen gegenüber stand, entstanden von Goldschmieden gestaltete prächtige Evangelien und Bibelhandschriften. Außerdem kann man zu der Zeit erstmals namentlich eine Goldschmiedewerkstatt nachweisen.
Auch während des Mittelalters steht die Schmuckherstellung wie bei Karl dem Großen unter  byzantinischen Einfluss, Zentren waren damals bei Lüttich, am Niederrhein bei Köln, sowie Hildesheim und Magdeburg.
Ende des 12.Jhd. im ausgehenden Mittelalter, in der Gotik, war die Blütezeit der sakralen Goldschmiedekunst, es entstanden Monstranzen, Altäre und ähnliches.
Zur Zeit der Renaissance erschuf dann Peter Henlein neue Formen in Gestalt von besonders kleinen Uhren und die sogenannten Artefakte. Dies sind Schmuckstücke ohne Gebrauchswert, reiner Schmuck, heute würde man sagen, eine Luxusanschaffung.
Herausragend im Barock  und zugleich Spiegelbild dieser üppigen Zeit ist die Sammlung von August den Starken in Dresden, er holte die besten Künstler an seinen Hof und errichtete mit dem Grünen Gewölbe eines der prächtigsten Schmuckkabinette Europas. Hofgoldschmied war der berühmte Johann Melchior Dinglinger. Entstehende Handelsbeziehungen nach Asien brachten dabei neue Formen wie Chinoiserien oder Materialien wie Porzellan nach Europa, außerdem wurden immer mehr und größere Edelsteine verwendet.
Während des Empire, oder auch Klassizismus, wurde Schmuck fast nur mehr von Damen getragen. Zu dieser Epoche gab es wegen der Kriege Napoleons auch den berühmten Eisenschmuck in Deutschland also Gegenstück zum englischen Stahlschmuck. Zugunsten des Vaterlands wurde dabei Goldschmuck gespendet und dafür erhielt man Eisenschmuck. Höhepunkt war die Einführung des Eisernen Kreuzes durch Friedrich Wilhelm III.
Biedermeier und Historismus brachten dann wieder Dekoratives und pflanzliche Ornamentik ins Spiel, außerdem war Juwelenschmuck wieder in. Eine Besonderheit hier der sogenannte Haarschmuck, eine Art Trauerschmuck aus den Haaren von Toten, oder Schmuck aus Jet, Gagat, eine polierfähige, extrem schwarze Kohleart.
Zur vorletzten Jahrhundertwende kam der Jugendstil, oder Art noveau, auch bei der Schmuckherstellung in Mode, Zentren waren Paris, Brüssel, England und München. Einige der bekanntesten Namen waren, Carl Peter Faberge, Rene Lalique oder Alfons Mucha. Der Name des Künstlers und Herstellers wurde wieder wichtig. Kennzeichnen war die Verwendung von Email und florale Motive.
Im 20.Jdh. war die Entwicklung durch zwei Weltkriege eher beschränkt, einzig die Bauhausbewegung setzte wenige Akzente. Die Verwendung von Weißgold ist vielleicht auch noch zu erwähnen und das Hinzukommen von neuen Materialien wie Kunststoff oder Edelstahl.

 

Text: arti